Restaurierung  - der "Innenausbau"

Einleitung

Haben Sie schon mal in einem echten Klassiker übernachtet? Oder haben vielleicht sogar schon mal damit Urlaub gemacht? Ich habe auf meinen Törns in der Ostsee viele wunderschöne Schärenkreuzer gesehen, die jedem den Mund offen stehen lassen, wenn Sie an einem elegant und schnittig vorbeiziehen. Bis zu 18 Meter lang und nur 2 Meter breit. Da tränen einem fast die Augen, wenn so einer dich überholt. Aber ich kann Ihnen versprechen: Im nächsten Hafen tränen dem Besitzer des Schärenkreuzers die Augen, wenn er versucht auf diesem zu übernachten und dabei neidisch auf die umliegenden modernen „Dickschiffe“ blickt. Würde er sich doch wenigstens eine normale Stehhöhe wünschen oder gar einen normalen Tisch, den er nicht bei jedem Versuch, die Länge des Schiffes auch unter Deck zu nutzen, wegklappen muss. Ein Lob an den Herren (und höchstwahrscheinlich vor allem seiner Frau!!), der seinerzeit die Poseidon in Auftrag gab, dass er bei aller Eleganz klassischer Rumpfformen doch gewisse Zugeständnisse an den Komfort gefordert hat. So bietet Sie bei 10,7m Länge und 2,85m Breite für einen Klassiker ausreichende Raummasse und vor allem eine volle Stehhöhe in der Pantry und im Salon. Aber dennoch mangelt es einem Traditionsschiff – so auch der Poseidon im ursprünglichen Zustand - meist an dem üblichen Komfort eines modernen Kreuzers was das ganze „Drumherum“ angeht. Liebt man es eher historisch korrekt, ist man an einem möglichst originalen Zustand des Schiffes interessiert, muss sich dann jedoch mit einer eher spartanischen Ausrüstung begnügen. Man kann ein Schiff mit einer modernen Einrichtung und Ausrüstungsgegenständen aber auch kaputt renovieren und erkennt dann an der endgültigen Ausführung kaum mehr das Klassische, Traditionelle. Diese Entscheidung bleibt jedem selbst überlassen. Für uns persönlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, wobei ich dennoch den größten Respekt vor Leuten habe, die den historischen Charakter möglichst original erhalten wollen und damit oft sehr puristisch ausgestattete Schiffe besitzen, aber keine Mühe und kein Geld scheuen, den ursprünglichen Charakter zu erhalten.

Da wir die Poseidon auch für ausgedehnte Reisen nutzen, gehören zu einem Mindestmaß an Komfort fliesendes Wasser, möglichst auch warm mit einem Edelstahlspülbecken ordentlicher Größe, eine ausreichende Kühlmöglichkeit, die speziell in Segelschiffen wirtschaftlich mit der Energie umgehen soll, eine einfache und unkomplizierte Kochmöglichkeit und jeweils 100ltr. Wasser- und Dieseltanks, da wir die Poseidon nicht nur im nahen Küstenbereich, sondern in der gesamten Ostsee oder Mittelmeer segeln wollen. Sie sollte nicht nur ein Schiff „zum Ansehen“, sondern auch wirklich für Reisen genutzt werden.
All dies sollte jedoch den historischen Charakter des Schiffes nicht störend beeinflussen.
 

Part (2) - Frischwassertank

Da wir schon einige Erfahrung aus dem Wohnmobil haben, kennen wir unsere Frischwassergewohnheiten sehr genau und beschlossen deshalb, einen 100ltr. Edelstahltank maßgerecht nach unseren Plänen anfertigen zu lassen. Diese Menge genügt uns leicht für eine Woche auf See, geht man sehr sparsam damit um reicht das auch für 2-3 Wochen. Der Tank enthält zusätzliche Schwallbleche, welche zum einen ein Schwappen von 100kg Gewicht bei Seegang verhindern, zum anderen auch ein nerviges Gluckern nachts im Hafen zuverlässig unterbinden.

Untergebracht werden sollte der Tank quer im Vorschiff unsichtbar unter dem Kopfteil der Kojen, der sichtbare Teil zwischen den Kojen wurde durch eine Verkleidung abgedeckt und ergibt ein neues Nachkästchen im Stil der alten Kojen. Die Befüllung erfolgt von Deck aus über eine Verschraubung am Vorschiff, als Pumpe für die Versorgung der Frischwasserleitung wollten wir auf keinen Fall ein Druckwassersystem, welches uns auf Charterschiffen nachts immer furchtbar genervt hat, sondern eine ganz einfache Saugpumpe, die auch kostengünstig und unkompliziert als Ersatzteil mitgenommen werden kann. Für Reparaturen oder zur Reinigung besitzt der Tank eine von oben zugängliche Inspektionsluke.

Part (3) - Dieseltank

Uns nervte in den ersten zwei Jahren immer der viel zu kleine Dieseltank mit nur 25 Liter, den wir ständig aus Kanistern teilweise unter Seegang bei längeren Motorfahrten nachfüllen mussten. Deshalb opferte meine Frau einen Teil Ihrer beliebten und fast 2,5m langen Steuermannskoje einem 100ltr. Edelstahl-Dieseltank. Bei einer üblichen Reisegeschwindigkeit von 6kn und einem Verbrauch von 2.5ltr/h sollte der Tank notfalls für 40h bzw. 240sm genügen, was für die Ostsee und das Mittelmeer mehr als ausreichend ist. Die Anordnung auf der Steuerbordseite im hinteren Drittel des Schiffes wurde als Gewichtsausgleich zum 15ltr. Warmwasserboiler und zur Backskiste auf der Backbordseite gewählt, in welcher sich immer schweres Werkzeug und Ersatzteile befinden.

Die Liegelänge der Steuermannskoje schrumpfte zwar auf 1,9m, was aber den meisten schlafenden Menschen genügen sollte. Wenn nicht, bekommen sie vor dem zu Bett gehen eine zusätzliche Flasche Wein als Schlaftrunk.

Part (4) - Warmwasserboiler

Warmes Wasser beim Abspülen und nach langen, kalten Regenfahrten zum Waschen ist ein Luxus, der den Komfort an Bord enorm steigert. Ein vernünftiger Boiler erwärmt das Wasser über den Motor, wenn er läuft, oder den Landanschluss oder eine Gas-Anlage und im besten Fall alle drei Varianten. Da wir keine Gas-Anlage aus Sicherheitsgründen installiert haben (Dies wäre bei einem Langkieler mit tief liegender Plicht und ohne offenes Heck nur mit enormem Aufwand sicher zu installieren) entschieden wir uns für eine Motor/Landanschluss-Variante, die ich unterhalb der Spüle in einen toten Raum installierte, der wegen Unzugänglichkeit eh nicht zu nutzen gewesen wäre. Lediglich die Zu- und Ablaufhähne, das Ablassventil und der Thermostat-Regler sind zugänglich. Dieser Boiler hat sich seit 2 Jahren bestens bewährt und eine Größe von 15ltr. ist bei weitem ausreichend, selbst wenn bis zu 6 Personen an Bord sind, da er schnell wieder warm ist, wenn mal die gesamte Menge entnommen ist. Man darf nicht vergessen, dass das heiße Wasser ja über einen Mischer entnommen wird. Es stehen damit also wesentlich mehr als 15 ltr. zur Verfügung, je nachdem, wie warm es aus dem Hahn kommen soll.

Part (5) - Die Kühlbox

Die früheren Frischhaltemöglichkeiten der Poseidon waren mit einer nicht ausreichend isolierten „Frischhaltebox“ unter der Eckbank im Salon ohne Kühlaggregat sehr begrenzt und sollten deshalb gründlich überarbeitet werden. Schon beim Zerlegen der alten Box aus Bootssperrholz bröselten uns verschimmelte Balken und Bretter entgegen, die durch das Schwitzwasser angegriffen waren. Es sollte auf jeden Fall nach der Renovierung der vergammelten Balken eine moderne, ordentlich isolierte Kühlbox installiert werden, die jedoch wegen der begrenzten Einbaumaße aus einzelnen Isolierplatten individuell zusammengebaut werden musste. Zusätzlich wollten wir noch ein Kühlaggregat installieren, was ein etwas heikles Thema gerade auf Segelschiffen darstellt, die nicht viel Energie während des Segelns zur Verfügung haben. Wir entschlossen uns deshalb gleich für die energetisch optimale, preislich jedoch „unwirtschaftlichste“ Variante: Einen modernen Kühl-Kompressor, welcher nicht über die Raumluft, sondern über eine Kühlspirale im Abwasseraustritt gekühlt wird und zusätzlich einen Kältespeicher in der Kühlbox der Firma ISOTHERM. Die ganze Anlage ist zwar etwas überdimensioniert und hat uns ein beträchtliches Loch in den Geldbeutel gefressen, aber ich kann wirklich behaupten, dass uns immer mehr als genug Kühlenergie zur Verfügung steht. Die Elektronik der Kühlanlage schaltet so pfiffig auf eine geringe Erhaltungskühlung um während nur Batteriestrom zur Verfügung steht, dass selbst auf mehrtägigen reinen Segelreisen ohne Motor eine 80Ah Batterie locker zur ausreichenden Kühlung ausreicht. Der Kühlakku tut sein zusätzliches und bereits eine 1 Std. Motorfahrt oder Landanschluss laden den Kühlakku wieder vollständig auf. Einziger Wehmutstropfen ist dabei, dass der Kühlakku in der Box durch die Überdimensionierung die Butter schon mal gefrieren lässt und eine Senftube ihren Inhalt erst nach mehrminütigem Wärmen in der Hand preisgibt. Durch die Kühlung über die Spirale im Wasser ist auch bei hohen Luft-Außentemperaturen immer ein sehr effektives Arbeiten des Kühlkompressors gewährleistet.

Part (6) - Edelstahl-Spülbecken und Kochmöglichkeit

Das in der Poseidon eingebaute Spülbecken verdiente eigentlich nicht seinen Namen, denn es genügte gerade mal zum Auswaschen von Kaffeetassen und selbst dabei musste man schon aufpassen, keine Ecken an den Tassen anzuschlagen. Für eine längere Segelreise, auf welcher man auch mal einen Kochtopf reinigen möchte also vollkommen ungeeignet. Das neue größer dimensionierte Spülbecken durfte jedoch nicht zu tief sein, da durch die Wasserlinie der Ablauf - auch ohne Abwassertank in der Bilge - gewährleistet bleiben musste. Der Kaltwasserhahn wurde durch eine mit Mikroschalter versehene Mischbatterie mit Brausekopf ausgetauscht. Ich bin immer noch auf der Suche nach einem traditionellen gut aussehenden Wasserhahn, der auch zum Stil der Poseidon passt, habe aber noch nichts Adäquates gefunden. Manche Dinge benötigen einfach ihre Zeit.

Für das Wärmen von Speisen und „Kochen“ war traditionell ein Petroleum-Kocher vorgesehen. Die Bedienung dieses Kochers erwies sich jedoch als nicht nur umständlich, sondern höchst gefährlich. Noch heute sieht man an der Decke in der Pantry die Brandspuren des Versuches, nur Kaffeewasser warm zu machen. Irgendwie scheint ein solcher Petroleumkocher für uns wenig geeignet. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass es in meinem Freundeskreis einige gibt, die auf solche Kocher schwören, unsere Intelligenz und Geschick scheinen dafür jedoch nicht ausreichend zu sein.

Wegen der traditionellen Schiffslinien erwies es sich des weiteren unmöglich, eine sicherheitstechnisch korrekt installierte Gasanlage mit 5kg-Flasche einzubauen, da die Poseidon kein offenes Heck besitzt, das ein Abfliesen eventuell ausströmenden Gases ermöglicht. Egal, wo man eine Gasflasche installieren würde, ausströmendes Gas sammelt sich immer zentral in der Bilge und stellt damit ein enormes Sicherheitsrisiko dar, davon abgesehen, dass eine solche Anlage niemals den TÜV-Segen erhalten würde. Deshalb bedienen wir uns eines einfachen Kartuschen-Gaskochers, der ausschließlich im Cockpit im Freien benutzt wird. Nach der Benutzung ist die Kartusche konstruktionsbedingt fest verschlossen und selbst wenn Gas ausströmen würde, würde die geringe Menge der kleinen Kartusche niemals eine explosionsgefährliche Dimension annehmen. Den Nachteil, dass wir relativ häufig die Kartuschen wechseln müssen, nehmen wir dafür gerne in Kauf. Durch das Kochen im oberen Teil des Niedergangs haben wir außerdem eine größere „Arbeitsfläche“ in der sonst zu kleinen Pantry zur Verfügung und der Innenraum wird nicht durch Kochgerüche und fettige Dämpfe „kontaminiert“. Also eine aus einer Zwangslage heraus eigentlich ideale Konstellation die wir inzwischen sehr schätzen.

Part (7) - Der Salon

Moderne Schiffe dieser Länge glänzen immer mit sehr großzügig gestalteten Salons. Auffallend an der Poseidon ist, dass man nach dem Niedergang erst noch eine Tür passieren muss, um in den Salon zu kommen. Durch diese zusätzliche Trennwand zwischen  Pantry/Steuermannskoje und Salon wirkt der Salon natürlich kleiner. Viele Freunde und auch Fachleute rieten mir, diese Trennwand und zusätzliche Tür zu entfernen, um das Raumgefühl zu steigern. Ich konnte mich bis jetzt noch nicht dazu entschließen, da ich hierdurch einen wesentlichen Charakter dieses Schiffes verändern würde. Diese Trennwand war traditionell deshalb notwendig, da „man“ seinerzeit als Schiffseigner „sich segeln lies“, der Steuermann hatte seinen „Raum“ als Bediensteter außerhalb seiner Herrschaften und deshalb getrennt von diesen. Salon und Schlafräume der Schiffseigner waren also getrennt von den Dienstboten. Diesen zumindest interessanten und auf jeden Fall historisch bedingten Rahmen möchte ich ungern ändern, zumal die geschlossene Tür im Salon am Abend ein sehr heimeliges Gefühl vermittelt und der Raum sich auch wesentlich schneller erwärmt.

Part (8) - Die Kojen

Wirklich einziger Wehmutstropfen ist momentan noch die Tatsache, dass es lediglich 3 feste Kojen in der Poseidon unter Deck gibt und der Salon bis dato noch keine Möglichkeit bietet, durch Umklappen von Sitzbanken oder das Versenken des Tisches zusätzliche Schlafmöglichkeiten zu schaffen. Nur im Cockpit kann man durch Einlegen eines Grätings zusätzlich 3-4 Schlafplätze schaffen, bei denen man jedoch bis auf eine Abdeckplane, die den Regen abhält zumindest den Außentemperaturen ausgesetzt ist. Im Mittelmeer sind dies jedoch die bevorzugten Schlafplätze.
 

Schlußwort

Der gesamte Innenausbau erfolgte durch mich selbst und teilweise außerhalb, teilweise parallel zur Renovierung des Schiffsrumpfes und ist bis auf die zusätzliche Schaffung von Schlafmöglichkeiten im Salon und ein paar wenigen „Feinkram“-Arbeiten abgeschlossen.

 

Part (IMG) - Beschreibung der Bilder (links):

01 Die alte Pantry
02 Die Betten müssen für den Tankeinbau zerlegt werden
03 Alles bereit für den Einbau des Wassertanks
04 Hier soll der Wassertank rein
05 Hinter der Abdeckung der 100ltr. Wassertank
06 Das neue Nachtkästchen
07 Der neue 100ltr. Dieseltank im Heck
08 Der versteckte Warmwasserboiler
09 Die alte Frischhaltebox
10 Neue Kühlbox 50ltr. mit Kältespeicher
11 Wasserkühlung Kühlschrank ISOTHERM
12 Neue Pantry
13 Die Schubladen werden durch Schranktür am herausfallen
     gehindert

 

ENDE