Restaurierung - so wurde sie gekauft!

 

1 - Einfach unglaublich

Es gibt manchmal im Leben Situationen, die einen derart positiv überraschen, dass man sie zunächst gar nicht glauben will und zwangsläufig an einen Irrtum oder gar Betrug denkt. Man wird ja immer wieder belehrt von allen Seiten, nicht so gutgläubig zu sein. Aber dann haut einen das Schicksal wie ein Zaunpfahl auf den Kopf und vor lauter Benommenheit kann man gar nicht mehr denken und tut dann Dinge, die jeder im Nachhinein mit „Bist Du denn noch ganz bei Trost“ kommentiert.

So traf es mich wie ein Hammerschlag: Mein lang gehegter Jugendtraum von einem wunderschönen Klassiker aus Mahagoni stand zur Disposition in einer bekannten Internetbörse. Nie hatte ich auch nur im Entferntesten darüber nachgedacht, eine Yacht, geschweige denn einen Klassiker kaufen zu können. Dafür reichten mir damals weder die finanziellen Mittel, noch hatte ich die Erfahrung, solch ein „Projekt“ in Angriff zu nehmen.

2 - Situation und Umstände sind nicht immer gerade Hilfreich

Zudem entdeckte ich das - äußerst günstige - Angebot spät nachts beim Stöbern im Internet und der Zuschlag sollte bereits am folgenden Mittag erfolgen. Zu allem Überfluss waren meine Bankkonten damals ziemlich leer geräumt, meine Frau hatte an diesem Morgen Frühschicht, sodass mir nur die Zeit zwischen 2 Kaffeetassen am Morgen um 5:00 blieb, um sie vom Kauf einer alten Segelyacht zu überzeugen. Und da die Yacht 1000 km entfernt war, hatte ich auch keine Möglichkeit, diese zuvor ausgiebig zu inspizieren.

Eine fast ausweglose Situation. Aber da kam mir mein Lebensmotto zu Hilfe: Unter größtem Druck leiste ich am Meisten.

3 - Zum frühen Frühstück - Überzeugungsarbeit

Der Überredungsversuch meiner Frau endete mit einem „Du bist total verrückt, mach doch was Du willst“! Das war das höchste, was ich diesbezüglich erreichen konnte, aber immerhin – für mich war das zumindest von dieser Seite „Freibrief“ genug!

4 - Gegen die Uhr und den Rest der Welt

Nun galt es, in der kurzen verbleibenden Zeit einigermaßen vernünftige Rahmenbedingungen für die Kaufabwicklung zu schaffen. Als erstes setzte ich mich mit dem Käufer in Verbindung. Schnell wurden Fotos per E-Mail ausgetauscht, Faxe mit Vereinbarungen und Zusicherungen hin- und hergeschickt um mein Gefühl des „betrogen Werdens“ zu minimieren. Ich vereinbarte mit Ihm ein 1-wöchiges Rücktrittsrecht im Falle des Zuschlages, da ich keine Zeit mehr hatte, das Schiff vor dem Kauf begutachten zu können. Außerdem war er sehr zuvorkommend und gewährte mir in Anbetracht meiner finanziellen Situation eine Ratenzahlung. Er erkannte offensichtlich, mir mit dem Kauf der Poseidon einen Jugendtraum erfüllt zu haben. Er gestand mir auch ganz offen, dass er zu wenig Experte sei, um den Zustand der Poseidon in jedem Detail zu kennen und empfahl mir, sie doch von einem Bootsbauer beurteilen zu lassen. Der Preis sei ja fair genug, um auch die eine oder andere Reparatur durchführen zu lassen.

Dies schien mir alles sehr plausibel und mehr als fair. Nach meiner Beurteilung hatte ich ein äußerst geringes Risiko. Wie gebannt wartete ich das Ende der Auktion ab und gab kurz vor Auktionsende mein Angebot ab. Die letzten Sekunden vor dem Zuschlag kamen mir vor wie das Springen von einem 10m-Turm: Hast Du dich mal entschlossen und bist Du gesprungen, kannst Du nur noch warten, bis es klatscht! Das Eintauchen in die Welt des Segelns gelang mir also unter recht spektakulären Bedingungen.

5 - Der Puls wird ganz langsam flacher

Wenige Tage später reiste ich mit meinem Bruder und einem befreundeten Kapitänleutnant nach Stralsund und fand dort die Poseidon in dem Zustand vor, wie links in Bildern dargestellt ist. Es war wirklich ein wahr gewordener Traum für mich. Ich erkannte zwar die Schäden im Heckbereich und erkannte auch, dass sie im Kielbereich gespachtelt war, der Verkäufer wies mich sogar explizit darauf hin. Aber allein der fast neue 43 PS Nanni-Motor mit lediglich 35 Betriebsstunden war schon das Geld Wert. Ein hinzugezogener Fachmann meinte, ich kaufe praktisch den Motor und bekomme ein Schiff fast kostenlos dazu.

Wenn mich heute jemand fragt, ob ich die Poseidon damals auch gekauft hätte, wenn ich gewusst hätte, dass die Renovierung ein vielfaches!! des Kaufpreises verschlingen würde, dann kann ich nur antworten: JA, auf jeden Fall. Vielleicht erkennt der ein oder andere auf diesen Internetseiten, warum ich nur diese Antwort geben KANN!! Mit meiner heutigen Erfahrung würde ich zwar einen Schiffskauf anders angehen. Aber manchmal braucht man eben auf neu zu beschreitenden Lebensabschnitten einfach dieses Quäntchen Glück um den ersten Schritt zu tun.


End of Story

 

(IMG) - Beschreibung der Bilder 01-18 (links):
(Einkauf)

01 Für einen Laien sah sie von Außen doch noch total gut
     aus!
02 Imposantes Heck, auch ohne große Auffälligkeiten
03 Der Kielbereich, durchgängig und ebenmäßig,
     zumindest in der Farbe
04 Das ursprüngliche Heck
05 Der Verkäufer Herr Kraska (links), Kapitänleutnant
     Jörg (mitte) und mein Bruder Horst (rechts)
06 Irgendwie sieht man meinem Bruder die lange Fahrt
     nach Stralsund noch an - Das Cockpit mit Blick zum
     Niedergang
07 Der Niedergang vom Cockpit aus gesehen
08 Der Niedergang
09 Eingangstüre in den Salon
10 Der Salon
11 Der Salon mit Blick zum Niedergang
12 Die alte Pantry mit Schiffsglocke
13 Die alte Pantry
14 Stauräume überall
15 Aus dem Salon der Blick zu den Bugkojen
16 Steuermannskoje Steuerbord neben dem Niedergang
17 Steuerbordkoje im Bug
18 Backbordkoje im Bug

ENDE

01 Für einen Laien sah sie von Aussen doch noch total gut aus!

02 Imposantes Heck, auch ohne große Auffälligkeiten

03 Der Kielbereich, durchgängig und ebenmäßig, zumindest in der Farbe

04 Das ursprüngliche Heck
05 Der Verkäufer Herr Kraska (li), Kapitänleutnant Jörg (mi) und Mein Bruder Horst (re)
06 Irgendwie sieht man meinem Bruder die lange Fahrt nach Stralsund noch an - Das Cockpit mit Blick zum Niedergang
07 Der Niedergang vom Cockpit aus gesehen
08 Der Niedergang
09 Eingangstüre in den Salon
10 Der Salon
11 Der Salon mit Blick zum Niedergang
12 Die alte Pantry mit Schiffsglocke
13 Die alte Pantry
14 Stauräume überall
15 Aus dem Salon der Blick zu den Bugkojen
16 Steuermannskoje Steuerbord neben dem Niedergang
17 Steuerbordkoje im Bug
18 Backbordkoje im Bug
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