FAQ (frequently asked questions)"

(1)Einleitung - Warum ein Traditionssegler?

Jeder Vergleich der Poseidon mit modernen Schiffen ist eigentlich sinnlos. Oder würden sie wagen, einen Jaguar-E-Type mit einem modernen Mercedes SLR zu vergleichen? Das sind zwei Welten. Und wenn mich jemand fragt, ob er sich nicht doch lieber wegen des geringeren Aufwandes an jährlich auszuführenden Arbeiten ein modernes Schiff aus Kunststoff kaufen soll, sag ich immer: „Das ist der falsche Ansatz. Für denjenigen, der ein historisches Schiff besitzt, stellt sich nicht die Frage nach dem Aufwand. Der Erhalt gehört zu seinem Segler-dasein wie das segeln selbst und muss ihm genauso viel Spaß machen. Ansonsten ist man mit einem Traditionsschiff falsch beraten.“

Für mich stellte sich nie die Frage ein neues, modernes Schiff zu kaufen. Ich persönlich bin ein absoluter Fan von Langkiel-Schiffen im Allgemeinen und von Traditionsschiffen aus Holz im Besonderen. Für mich stellt ein Klassiker, wie die Poseidon den Inbegriff von Ästhetik und Eleganz dar. Da ich aber immer wieder gefragt werde, warum ich ein solches Schiff segle und welche Vor- oder Nachteile ein solches Schiff hat, will ich hier ein paar Fragen beantworten:
 

 

(2)Warum ein Langkiel-Segler?

Wenn man mal einen schlanken Langkieler sanft durch die Wogen streichen erlebt hat, ist man genervt vom hin- und herschaukeln moderner „Komfort-Dampfer“ auf Chartertörns, mal ganz abgesehen von gewissen sicherheitsrelevanten, konstruktiv bedingten Mängeln. Sind Sie schon einmal auf eine Sandbank aus voller Fahrt aufgelaufen und können im Herbst beim Auskranen auch nicht die kleinste Schramme als Folge dieses misslungenen Manövers feststellen? Ich habe in der Werft in Stralsund schon moderne Schiffe gesehen, deren Kurzkiel in Mitleidenschaft gezogen oder komplett abgerissen war, nur weil sie Grundberührung hatten. Ich habe mit einem modernen 52-Fuß-Schiff in der Türkei bei 52kn Wind und 6m-8m hohen Wellen erlebt, wie sich das ganze Vorschiff gegenüber dem Heck verwunden hat und bei einem meiner Segelfreunde hat sich teilweise die Oberschale des Schiffes im Sturm vom Rumpf getrennt, sodass man den Arm hindurch stecken konnte. Die Vielzahl der modernen Schiffe ist sicherlich stabil genug gebaut, um bei „nicht mehr ganz optimalen“ Segelbedingungen jeden in den sicheren Hafen zu bringen. Aber ich habe keine Lust im Sturm erfahren zu müssen, dass nicht meine Psyche, sondern mein Schiff mir die Grenzen zeigt und ich und meine Mannschaft dadurch in zusätzlichen Stress geraten.

 

 

(3)Wie wendig ist ein Langkiel-Segler?

Es gibt allerdings auch Nachteile: Was man im Hafen noch mit ein paar wenigen, gut einstudierten Manövern und geschickt angebrachten Festmacherleinen kaschieren kann ist die mangelhafte Wendigkeit eines Langkielers, vor allem beim Rückwärtsfahren. Bei heftigem Seegang kann man durch den langen Kiel vor allem bei Vorwindkursen schon mal in echte Schwierigkeiten kommen, wenn das Schiff von einer von achtern auflaufenden schweren See durch den großen Kiel und dessen riesigen Angriffsfläche bedingt das Schiff abrupt aus der vorgesehenen Fahrtrichtung wirft. Aus diesem Grund fahre ich auf Vorwindkursen bei schwerer See grundsätzlich nur mit Bullenstander, ja vermeide sogar bei diesen Verhältnissen platt vor dem Wind zu segeln. Denn das Ruder ist in einer solchen Situation absolut wirkungslos.

 

 

(4)Segelt ein schlankes Schiff mit niedrigem Freibord
                   „nasser“ als andere Schiffe?

Dass Langkieler bei schwerer See „nass“ segeln, sprich: immer eintauchen und Wellen überkommen stimmt nur bedingt: Bedenkt man, dass der Freibord der Poseidon deutlich niedriger ist, als von einem gleich langen, modernen Schiff, kommen natürlich eher mal Wellen über als mit hohem Freibord. Allerdings segelt die Poseidon in Längsrichtung konstruktionsbedingt mit etwas mehr Nickbewegungen, als moderne Rumpfformen und taucht deshalb weniger in Wellen ein, sondern passt sich in Längsrichtung eher den Wellenbewegungen an.
Die seitliche Krängung ist jedoch deutlich geringer als bei modernen Schiffen, da die Formstabilität wesentlich geringer als bei breiten Rumpfformen ist. Und da passiert es dann schon mal, dass der letzte Teil eines Wellenkammes seitlich über die Bordwand kommt.

 

 

(5)Krängt ein Langkieler mehr, als ein Kurzkieler?

Dies ist zunächst nicht eine Frage des Kiels, sondern eine Frage der Rumpfform (Formstabilität) und des Tiefganges bzw. der Gewichtes des Kiels. Bedingt durch die schmale Form der Poseidon (geringe Formstabilität) krängt sie ohne Welle deutlich früher als ein breites Schiff, bleibt dann jedoch in dieser Lage lange stabil, ja man kann sagen, je mehr sie sich neigt, um so stabiler wird sie (Gewichtsstabilität). Bei Wellenbewegungen, bei denen eine gute Formstabilität von Nachteil ist, da die seitlich auflaufenden Wellen einen formstabilen Rumpf mehr neigen, bleibt sie andererseits deutlich ruhiger in den Wellen, als eine moderne breite Rumpfform. Hier überwiegt die bessere Gewichtsstabilität des auch bei Wellen nach unten gerichteten, tiefliegenden, schweren Kiels. Das Segeln schräg zu den Wellenkämmen ist durch die geringeren seitlichen Bewegungen deutlich angenehmer, als auf breiteren Schiffen gleicher Länge.

 

 

(6)Kentert ein extrem Formstabiles Schiff früher durch?

Werden die Wellen extrem steil, kann dies ein Schiff schon mal umwerfen. Der Zeitpunkt, ab wann eine Yacht diesen Punkt des Durchkenterns erreicht liegt bei den meisten modernen Yachten bedingt durch Ihre hohe Formstabilität deutlich früher, als bei der Poseidon. Die geringe Formstabilität eines schmalen Schiffes ist jedoch nicht zu verwechseln mit dem Aufstellmoment einer Segeljacht, welches ja nicht nur durch die Form- sondern auch durch die Gewichtsstabilität bedingt ist. Dieses Aufstellmoment ist bei der Poseidon extrem gut und dürfte bis zu einem Winkel von ca. 130°-140° wirken, wo moderne Schiffe längst durchkentern, ja manche extrem breiten Rennyachten im durchgekenterten Zustand sogar stabiler liegen, als aufgerichtet.

 

 

(7)Sind Schiffe aus Holz stabil genug?

Die gesamte Konstruktion der Poseidon vermittelt auch bei schwerem Wetter einen unheimlich stabilen Eindruck. Selbst bei wirklich schwerer See hat man nie auch nur im Entferntesten den Eindruck, als sei das Schiff überfordert. Das gesamte Rigg trotzt wie ein Leuchtturm unerschütterlich gegen Wind und die durch die Wellen bedingten Bewegungen. Nichts knarrt, wackelt oder windet sich. Ich habe schon öfter die suchenden Blicke meiner Mitsegler erheischt, als sich Wellenberge bis zur Höhe der ersten Saling der Poseidon näherten und diese aufgerissenen Augen einem Grinsen wichen, als die Woge einfach unter uns durchrollte ohne auch nur einen Anschein von Gefahr. Später in der Kneipe bei einem Bierchen erzählten Sie dann eindrucksvoll von der guten alten Dame im schweren Wetter, wie ich es selbst nicht eindrucksvoller hätte schildern können.

 

 

(8)Wie teuer ist der Unterhalt eines Holzschiffes im
                                 Vergleich mit anderen!?

Schiffe aus Holz sind auf Dauer im Unterhalt nicht unbedingt teurer, ja sogar billiger als Kunststoffschiffe, rechnet man den Wertverlust mit ein. Die laufenden Kosten eines gut erhaltenen oder renovierten Holzschiffes sind nicht viel höher, als von Kunststoffschiffen, wenn man ehrlich rechnet. Haben sie von Ihrem Kunststoffschiff schon mal alles an Poliermitteln, Reparatur-Sets, Lacken/Farben und Maßnahmen gegen Rissbildung und Osmose zusammengerechnet? Und wenn Sie auf geringere Kosten kommen, dann möchte ich Ihr Schiff in 15 Jahren sehen. Wahrscheinlich sind die Renovierungsmaßnahmen dann schier unerschwinglich hoch, wenn überhaupt wirtschaftlich noch sinnvoll, von dem Wertverlust mal ganz abgesehen.

 

 

(9)Lohnt sich die Renovierung eines Holzschiffes?

Die Renovierung eines Holzschiffes zahlt sich auch nicht immer komplett aus, das ist klar. Aber der Wertverlust ist wesentlich geringer, sofern man bei einem Verkauf nicht gezwungen ist, das Schiff aus welchen Gründen auch immer unter Wert zu verkaufen, denn der Markt für Traditionsschiffe ist wesentlich geringer, als für moderne Schiffe, logisch. Allerdings ist Anzahl der Liebhaber und Idealisten, die auch „über Wert“ kaufen wiederum viel höher und wenn ein Schiff außergewöhnlich selten oder sonst einen besonderen Wert darstellt, kann der Preis deutlich über dem eigentlichen wirtschaftlichen Zeitwert liegen, ähnlich wie bei Kunstgegenständen.

 

 

(10)Persönliches Schlussargument

Als letztes Argument gilt immer noch mein mit einem ironischen Lächeln hervorgebrachtes: „Zeigen Sie mir ein Kunststoffschiff, welches älter ist, als die Poseidon und dabei noch so gut aussieht!“

ENDE

... und für noch weitere, offene Fragen: